Geschichte des OBV

Seit zweieinhalb Jahren wird im Oberwallis „sanft“ geschossen

„Eins sein mit Pfeil und Bogen“

Gampel / Eine traditionelle Sportart fasst nun auch im Oberwallis Fuss. Waren es vor zweieinhalb Jahren vier Personen, frönen heute deren 21 diesem faszinierenden Hobby – dem Bogenschiessen.

Von Tamara Locher

„Ich habe diese Sportart vor fünf Jahren durch einen Kollegen im Rollstuhlklub kennengelernt. Leider war mir der Weg zum bestehenden Unterwalliser Bogenschützenverein in Granges zu weit. So gründeten wir im Oberwallis einen Verein.“ erklärt Robert Lehner, einer der Gründer und heutiger Präsident des Oberwalliser Bogenschützenvereins Gampel, die Beweggründe. Erfreulich ist die Tatsache, dass der Verein aus dem Oberwalliser Rollstuhlklub hervorging, die Initiative also von Behinderten ausging und heute Behinderte und Nichtbehinderte zusammen ihre Freizeit verbringen. „Wir sind sogar auf die Hilfe von Nichtbehinderten angewiesen“, gibt Mitglied Renaldo Marty offen zu. „Es ist uns egal, ob behindert oder nichtbehindert. Wir sind natürlich offen für alle neuen Mitglieder.“

Kopfspiele
Nicht nur ein Rollstuhl ist kein Hindernis für diese Sportart. Ob jung oder alt, Mann oder Frau, jeder kann Bogenschiessen. Das älteste Mitglied zählt beispielsweise 70 Lenze, wobei das jüngste Mitglied gerade mal zwölf Jahre alt ist. „Beim Bogenschiessen kommt es nicht auf die Kraft an“, ergänzt Robert Lehner, der selber im Rollstuhl sitzt. „75 Prozent spielt sich im Kopf ab.“ Also ein Sport, bei dem man abschalten kann? „Ja, man kann dabei alles andere vergessen“, bestätigt Renaldo Marty. Eins sein mit Pfeil und Bogen, erklärt Robert Lehner die Faszination des Bogenschiessens.

300 km/h
Bogenschiessen ist ein Sport, den man ganzjährig ausführen kann. Robert Lehner: „Unsere guten Trainingsmöglichkeiten verdanken wir der Gemeinde Gampel und ihrer guten Infrastruktur.“ Im Sommer üben die Oberwalliser Bogenschützen auf dem Sportgelände des Gampjer Regionalschulhauses und im Winter in deren Turnhalle. Drinnen schiesst man auf 18 Meter, wobei das Zentrum einen Durchmesser von rund einem Zentimeter ausmacht. Im Sommer können dann Weiten von 30, 50, 70 und 90 Meter geschossen werden. Der Pfeil erreicht dabei die schier unglaubliche Geschwindigkeit von 300 km/h.

Auszug aus der RZ vom 04.2001